Improvisationstheater und Comedy

Moderator

Aufgaben

Bei Auftritten leitet der Moderator die Zuschauer durch das Programm.

Anfang

Zunächst hat er die Aufgabe, den Anfang des Auftritts zu gestalten. Dazu gehört auf jeden Fall die Begrüßung des Publikums. Weitere Aufgaben können sein:

  • Erläuterungen zum (besonderen) Anlass oder zum Thema (z.B. Geburtstag, Hochzeit) oder Motto des Auftritts (z.B. ein Halloween-Auftritt);
  • Frage, wer ImproTheater kennt/nicht kennt;
  • die grundsätzliche Erläuterung, was ImproTheater ist;
  • Erklärung von Besonderheiten des ImproTheaters, etwa Beginn ("5 4 3 2 1 .. Los") und Ende ("Vorhang") einer Szene.
  • Vorstellen der Spieler und des Musikers;
  • Aufwärmen des Publikums;

Während des Auftritts

Der Moderator fragt die Vorgaben für die einzelne Spielszene ab. Hier ist besonders Spitzengefühl gefragt. Zum einen muss er das Publikum dazu bringen, (gute) Vorschläge zu machen (siehe unten Clever fragen), zum anderen muss er wissen, wie mit ungeliebten Vorgaben und Tabus umgegangen wird. Auch während einer laufenden Szene kann der Moderator eingreifen, indem er z.B. unterbricht und sagt "drei Stunden später...". Schließlich muss der Moderator ein Gespür dafür haben, wann er eine Szene beendet. Eine grottenschlechte oder völlig aus dem Ruder laufende Szene darf er abbrechen.

Am Ende

Am Ende des Auftritts verabschiedet sich der Moderator im Namen der ganzen Gruppen von den Zuschauern und dankt „Externen“ (Musiker, Veranstalter, Beleuchter, Tontechnik usw.). Er kann auf die nächsten Veranstaltungen hinweisen, auf die Homepage, darauf, dass man für private Veranstaltungen zu buchen ist.

Ein Moderator oder mehrere

Ob eine bestimmte Person während des ganzen Abends durchgängig moderiert oder ob jeder der Spieler im Laufe des Abends ein oder zwei Mal in die Rolle des Moderators schlüpft oder ob ein Spieler durchgängig die erste Halbzeit und ein anderer durchgängig die zweite Halbzeit (nach der Pause) moderiert, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Eine wechselnde Moderation kann aus der Not heraus entstehen, dass keiner Lust und/oder den Mut hat, den ganzen Abend "nur" zu moderieren. Gegen eine wechselnde Moderation kann sprechen, dass dadurch Unruhe in die Spieler kommt und die Aufmerksamkeit/Konzentration durch den Wechsel der "Rolle" - Spieler oder Moderator - sinkt.

Impro-Match

Bei einem Impro-Match fördert der Moderator die Sympathien des Publikums für die Spieler beider Gruppen und ist für die Abstimmungen und Punktevergabe zuständig.

Clever fragen

Wenn dem Moderator von vornherein mögliche Antworten bekannt sind, die aus dem Publikum kommen könnten, dann sollte er diese gleich mit in die Frage einschließen.

Wenn nach einer Beziehung zwischen zwei Personen gefragt wird, und familiäre Verhältnisse (wie Mutter und Kind) oder Chef und Angestellter schon häufig genannt und gespielt wurden, kann die Frage entsprechend formuliert werden:

"Für das nächste Spiel benötigen wir eine Beziehung zwischen zwei Personen, also so etwas wie Mutter - Kind oder Chef - Angestellter."

Mit einer solchen Formulierung wird zugleich der Begriff der Frage (hier: ’’Beziehung’’) verdeutlicht.

Vielen Zuschauern fällt es einfacher, auf eine sie betreffende Frage zu antworten, beispielsweise:

"Was wollten Sie einmal sein, als Sie aufwuchsen?"

Fragen variieren und gestalten

Eintönig wirkt es, wenn vor jedem Spiel ähnlich gefragt wird, etwa: "für das nächste Spiel hätten wir gerne ... ", dann: "für das nächste Spiel benötigen wir ...", schließlich: "und für das nächste Spiel bräuchten wir..." usw. Diese Form der Abfrage von Vorgaben ist weit verbreitet und wird auch von Profis angewandt.
Persönlicher und abwechselungsreicher ist es, das Abrufen der Vorgaben in eine richtige Moderation zu verpacken. Im Rahmen dieser Moderation kann man sich auf das vorherige Spiel beziehen, man kann Pseudo- oder tatsächliche Bezüge zu sich selbst herstellen und dann - wie nebenbei - vom Publikum Vorgaben abrufen. Vorteil ist, dass es für das Publikum authentischer, lebendiger und unterhaltsamer wirkt, als wenn es nur mechanisch, gleichförmig nach Vorgaben befragt wird.

Beispiel:
(im Anschluss an eine Szene aus der Ritterzeit) "Tja, der Met würde mir jetzt auch gut schmecken! Oder heißt es das Met? Jedenfalls trinke ich gerne Bier. Meinen ersten Rausch hatte ich erst mit 16. Damals habe ich auf einer Karnevalsveranstaltung innerhalb einer halben Stunde eine Flasche Sekt getrunken. Danach ging's mir ziemlich schlecht. -- Mag jemand verraten, bei welcher Gelegenheit und an welchem Ort er zum ersten Mal so richtig betrunken war?"

Als Charakter agieren

Denkbar und dankbar ist es, während des ganzen Abends mit einem bestimmten Charakter zu moderieren, in eine bestimmte Rolle zu schlüpfen. Das kann die - häufig ungeliebte - Moderatorenfunktion spielerisch reizvoller machen. So kann man beispielsweise den Zerstreuten spielen, den Hausmeister der Bühne (mit entsprechendem Kittel), jemanden, der gerade aus dem Urlaub gekommen ist usw.

Filmbeispiele

Der Moderator spielt als einziger auf der Bühne keine Rolle. Er ist im Großen und Ganzen er selbst, denn sonst wirkt es schnell aufgesetzt. Stephan Holzapfel arbeitet selbst als Moderator und spielt Improvisationstheater in der Gruppe "Die Unverhofften" Alle ein bis zwei Wochen gibt es hier einen neuen Beitrag zur Theorie und Praxis von Improtheater. (mit Die Unverhofften , 2014-02-05, Standard-YouTube-Lizenz) updated: 2014-01-25 by Guido Boyke

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