Improvisationstheater und Comedy

Theatersport

Theatersport(TM) ist der von Keith Johnstone geprägte Begriff eines beliebten Formates des Improvisationstheaters, bei dem zwei Mannschaften von Schauspielern gegeneinander um die Gunst des Publikums, bzw. des Schiedsrichters spielen. In verschiedenen Spielrunden werden Punkte verteilt. Der Begriff "Theatersport" ist eine in Kanada eingetragene Wort-Marke. Da aber Kanada nicht Mitglied des sogenannten Madrider Systems ist, ist der Begriff Theatersport in allen anderen Ländern der Welt frei benutzbar. Anders verhält es sich mit dem Copyright für die Aufführungsform. Diese ist - sofern sie nicht in wesentlichen Teilen verändert wurde - gemäss der Berner Konvention weltweit urheberrechtlich geschützt. Allfällige Lizenzgebühren können ausserhalb Kanadas also nur für das Format nicht aber für den Begriff eingefordert werden.

Die Form des Theatersports, die sich heute etabliert hat, unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von Johnstones urprünglichen Intentionen für das Format; insbesondere wird aktuell praktisch ausschließlich Improvisations-Comedy dargeboten. Johnstone hingegen gibt an, dass er ursprünglich ein Format beabsichtigt hatte, das sowohl komische als auch ernste Darbietungen beinhalten sollte.

Theatersport-Teams gibt es auf der ganzen Welt, wobei auch einige andere Theatermacher ähnliche Konzepte entwickelt haben und es Überschneidungen gibt.

Die erste Weltmeisterschaft im Theatersport in Deutschland fand im Rahmen des Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung zur FIFA WM 2006 in elf Städten und Regionen statt. Es gab schon in den Jahren davor internationale Wettbewerbe im Theatersport, auch wenn sich den Begriff nicht explizit im Titel führten. Da es im Theatersport keine übergeordnete Organisation gibt, gibt es auch keine legitimierende Stelle für eine solche Veranstaltung. Im Grunde kann jede größere Veranstaltungsreihe, an der mehrere, vielleicht auch ausländische Gruppen, teilnehmen als Meisterschaft ausgewiesen werden.

Eine Dachorganisation für den Theatersport wurde in Deutschland immer mal wieder angedacht, aber auf Grund von Interessenkonflikten immer wieder verworfen.

Die Lizenzgebühren für Johnstones Formate werden vom International Theatresports Institute (ITI) eingetrieben. Durch die sehr strenge Geheimhaltungspolitik des ITI (die genauen Bedingungen der Lizenz inkl. der Höhe der Abgaben werden erst nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung bekannt gegeben) ist der Lizenzzwang innerhalb der Improtheater-Szene in Verruf geraten: Viele Spieler sehen ihn als unfaire Ausbeutung an. Johnstone selbst vertritt den Standpunkt, dass durch die Lizenzierung ein Verwässern der von ihm erfundenen Formate verhindert werden solle; die (dem Vernehmen nach moderaten) Gebühren dienten nur zur Finanzierung des ITI-Personals. Der Effekt scheint jedoch eher gegenteilig zu sein: Abgeschreckt durch die intransparente Lizenzpolitik ignorieren viele Gruppen die Bedingungen; andere umgehen die Lizenzierung, indem sie die Spiele unter anderen Namen, wie zum Beispiel "Impro-Match" oder "Theatermatch", aufführen. Dies ist aber nicht nötig, da wie oben erwähnt, der Begriff Theatersport nur in Kanada geschützt ist. Ändern Gruppen ihr Theatersportformat gegenüber Johnstones Original in wesentlichen Teilen ab, kann das ITI auch kein Copyright mehr geltend machen. Es handelt sich dann um ein neues, künstlerisches "Werk".

Im Rahmen interner Führungsstreitigkeiten des ITI kündigte Johnstone bereits mehrfach an, die Formate notfalls für gemeinfrei zu erklären, um dem Streit ein Ende zu setzen. Bisher hat er dies jedoch nicht getan.

Siehe auch

Filmbeispiele

Impro-Theater: Deutsche Nationalauswahl des Theatersports. Während der Theatersport-Weltmeisterschaft 2006 spielten 16 Improvisations-Teams aus aller Welt um die Gunst des Publikums. Die Matches wurden im Rahmen des Kunst- und Kulturprogramms zur FIFA WM 2006 in elf deutschen Städten ausgetragen. Katja Blüher (Halle/Saale), Verena Lohner (Hannover) und Kerstin Radl(Nürnberg) sind als Spielerinnen der Deutschen Auswahl wettkampferprobt und natürlich auch nach der WM auf der Bühne aktiv. Während der Gala 2006 gaben sie dem Publikum einige Rätsel auf -- rund um den Fußballspruch des Jahres. updated: 2014-06-01 by Guido Boyke

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