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Charakter

Änderungen in Version 64 (von Klaus, 06.06.2012 06:06)

  • *Charakter* ist beim Improvisationstheater die dargestellte Person mit den Besonderheiten ihrer Persönlichkeit (Individualität). Diese Besonderheiten können sich im Reden, in der Mimik, Gestik, in ihrem Handeln, in dem nach außen tretenden spezifischen Denken und Fühlen ausdrücken. In den zum Teil sehr kurzen Szenen ist es bereits aus Zeitgründen schwierig, eine ausdifferenzierte Person darzustellen, hier gelingt es meist nur, die Person sehr skizzenhaft zu zeigen oder sie mit (nur) einem besonders hervorstechenden Merkmal auszustatten und dadurch zu kennzeichnen (zu *charakterisieren* oder gar zu karikieren). Erst bei längeren Szenen oder bei Langformen kann ein Charakter entstehen.
  • Beim herkömmlichen Theater gibt es neben dem Charakter noch die *Rolle*. Das ist die vom jeweiligen Autoren eines Stückes vorgegebene Figur, die durch den Regisseur insbesondere aber - unmittelbar - vom Schauspieler mit "Leben" gefüllt wird. Dieses "Leben" ist der Charakter der Figur ("Wie haben sie die Rolle angelegt?").
  • ## Warum Charakter?
  • *Charakter* gibt der dargestellten Person Tiefe, die Figuren sind lebendiger, authentischer, wahrhaftiger.
  • Die Zuschauer/innen können sich leichter mit der dargestellten Person identifizieren oder sie - bei einem negativen Charakter - nicht mögen. Das sich aus den Besonderheiten, den Widersprüchlichkeiten des jeweiligen Charakters ergebende Geschehen wirkt bewegender. Aufgrund des dargestellten Charakters können sich spezifische Ideen entwickeln. Weiterhin gibt er dem Spielenden eine gewisse Sicherheit, er kann sich in dem Rahmen des von ihm entwickelten oder des sich entwickelnden Charakters bewegen. Der Charakter, der möglicherweise auch durch Routinen Kontur gewinnt, hat die Chance, sich glaubwürdig und berührend zu verändern.
  • ## Wieviel Charakter?
  • Die Frage ist, ob und wenn ja, inwieweit sich die Schauspielerin/der Schauspieler auf den jeweiligen Charakter einlassen kann oder will. Das gilt insbesondere in Bezug auf die spezifischen Gefühle der betreffenden Person.
  • ## Bestandteile
  • Bestandteile des Charakters sind folgende Wesensmerkmale:
  • - *allgemeine physische Kennzeichen* wie übliches Bewegungstempo, Sprechtempo, in der Bewegung "hervorgehobene" Körperteile (z.B. Brust, Genitalien), betont aufrechter Gang, "selbstbewusste" Körperhaltung usw.
  • - fortdauernde auffällige *Besonderheiten der körperlichen Haltung*, der Bewegung, Gestik, Mimik, Sprache - etwa ein gebeugter Gang, der die (innere) Last zeigt, die jemand auf seinen Schultern trägt,
  • - *Verhaltensmuster*: Wie reagiert die Person (immer wieder) in bestimmten Situationen,
  • - das *Zwischenmenschliche*: das Verhalten in einer Gruppe (Lebenspartner/Kollegen/Freunde usw.), die Haltung der betreffenden Person zur Gruppe. Ergebnis ist unter anderem das Entstehen eines Status'
  • - *Biografie*: Das bisher Erlebte, insbesondere die persönlichkeitsprägenden Erlebnisse,
  • - Die *Emotionalität*: spezifisch (stark oder auffällig schwach) vorhandene und ausgelebte Gefühle und Triebe der betreffenden Person,
  • - innere (nach außen tretende) *Konflikte* und Probleme,
  • - *Einstellung*: (nach außen tretende) innere Haltung zu grundlegenden Fragen (z.B. "ich glaube an Gott") und zu bestimmten Themen und Problemen (z.B. "ich mag keine Hunde"),
  • - *Gewohnheiten*: persönliche Routinen der Person in ihrem Alltag, das kann z.B. das Bier beim Fernsehen sein oder das Singen beim Duschen, das Ziehen am Ohrläppchen usw.
  • - *(Lebens-) Ziele*, Wünsche,
  • - *Hobbys* und Interessen.
  • ## Entwicklungschancen
  • Darstellerisch und für die Zuschauer interessant können *Überhöhungen* der obigen Punkte sein: Skurilität, Exzentrik, Psychose, Hysterie, Gefühlskälte, Ticks usw. und die *Veränderung* in bestimmten Punkten. Allerdings besteht bei "überhöhtem" Spiel die Gefahr, dass die Wahrhaftigkeit und das Berührende der Figur verloren geht (wenn man auch Szenen mit Tiefgang spielen will).
  • "Klassische" Charaktere finden sich z.B. als Archetypen bei der Heldenreise.
  • ## Motive
  • -Motivik
  • -
  • Eher in den Bereich der Dramaturgie gehört die Motive der betreffenden Person.
  • Motivik ist die Summe von wiederkehrenden "klassischen" Motiven. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Bezug hat zu wesentlichen elementaren Erfahrungen, Emotionen oder Situationen. Denn auch wenn jeder seine individuelle Lebensgeschichte hat, gibt es doch Grunderfahrungen wie Liebe, Schmerz, Verlust, die alle Menschen miteinander teilen. Diese universellen Erfahrungen sind allgemein vorhanden und allgemein verständlich. Sie sind sowohl bei dem dargestellten Charakter als auch beim Zuschauer vorhanden. Sie ermöglichen dem Zuschauer ein hohes Maß an Identifikation mit dem betreffenden Charakter (oder bei negativem Charakter dessen Ablehnung). Das heißt, der Charakter ist (wirkt) in hohem Maß wahrhaftig und authentisch.
  • - Beispiele:
  • +Beispiele:
  • - Verlust des Lebenspartners
  • - Inzest
  • - feindliche Brüder
  • - Eifersucht
  • - Rache
  • - unerwiderte Liebe
  • Kategorie:Begriffe