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Der Mord

Version 38 (von Klaus, 06.04.2018 15:45)

An dieser Langform sind fünf Spieler beteiligt: Ein Ermittler (Kommissar), drei Täter, ein Opfer. Sie dauert 30-45 Minuten.

1. Runde: Vorstellung

Der Moderator spielt den Kommissar (Ermittler).

Er kann sich für sich vom Publikum eine Vorgabe geben lassen: Einen Tick, einen Satz (Redensart), den er immer wieder ausspricht oder eine früheren Beruf (der Ermittler war z.B. früher Astrophysiker).

Die anderen vier Spieler bekommen (ebenfalls) Vorgaben vom Publikum. Danach stellt sich jeder Spieler einzeln vor, jede Vorstellung sollte etwa eine Minute dauern. Am Besten nur mit Vornamen vorstellen, um die Entwicklung der Geschichte nicht zu sehr einzuengen.

Wichtig: Die Figuren haben nichts miteinander zu tun und sollten möglichst unterschiedlich sein.
Die Zuschauer entscheiden per Abstimmung oder ein einzelner Zuschauer entscheidet nun, wer von den vier Spielern das Opfer sein soll.

*2. Runde: Gespräch mit den Verdächtigen *(Beziehung zum Opfer) **

Die verbleibenden drei Verdächtigen werden einzeln vom Kommissar besucht, dh. wir haben drei kurze (!) Szenen. Die Verdächtigen erfahren von dem Mord und werden nach einem Alibi für die Tatzeit gefragt. Jetzt ergibt sich eine Verbindung/Beziehung zum Opfer, z.B. war das Opfer der Nachbar, der Bruder, ein Freund, man hat sich auf dem Weg ins Büro gesehen etc.
Möglich ist auch, dass einer der Verdächtigen eine Beziehung, ein Kennen des Opfers (zunächst) bestreitet (das macht ihn natürlich auch verdächtig).

Wichtig: In dieser Runde geht es noch nicht um das Motiv!

Die Todesart und die näheren Umstände des Todes müssen offen/diffus bleiben, sonst hat die 4. Runde keinen Sinn mehr!

*3. Runde: Rückblick auf die letzte Begegnung *(Motiv) **

Sprung zurück in die Zeit vor dem Mord. Der Kommissar hat Pause, denn wir sehen jeweils die letzte Begegnung jedes Verdächtigen mit dem Opfer, d.h. auch hier gibt es wieder drei Szenen. In dieser Runde wird ein mögliches Motiv klar und deutlich und es kommt zu einem Konflikt/Streit. Ziel ist es, dass jeder der drei so verdächtig wie möglich ist, also alle drei ein Mordmotiv haben!

Hilfreich ist es, wenn sich das Opfer zum A***loch macht und damit das (mögliche) Mordmotiv massiv/aktiv unterstützt.

Die Motivation muss hier glaubhaft 'rüberkommen. Wichtig ist, ein so starkes Gefühl beim Verdächtigen entstehen zu lassen, dass man ihm einen Mord abnimmt. Im emotional stärksten Moment sollte die Szene enden.

4. Runde: Die Obduktion

Der Kommissar holt sich einen Assistenten aus dem Publikum. Es werden drei Stühle - besser Hocker oder (Biertisch-) Bank - aufgestellt und das Opfer legt sich darauf. Jetzt untersucht/obduziert der Kommissar die Leiche und holt sich im Sinne von Satz vervollständigen Anregungen von seinem Assistenten. Z.B. Kommissar: "Oh, das sieht aus wie ein....", Zuschauer: "Loch!" oder Kommissar: "Da ist ja eine Prellung am...", Zuschauer: "Ohrläppchen!"

In dieser (auflockernden) Runde wird außerdem - auch mit Hilfe des Publikumsassistenten - die Tatwaffe "ermittelt". Beispiel: Kommissar (nachdenklich): "Diese Prellung könnte verursacht sein von...", Zuschauer: "...einer Billardkugel."

Im Anschluss an diese Szene entscheiden die Zuschauer oder entscheidet ein Zuschauer, wer von den drei Verdächtigen der Mörder ist.

5. Runde: Der Mord

Jetzt sehen wir in einem Rückblick die Mordszene. Das Konfliktthema der 3. Kunde muss wieder aufleben. Außerdem gibt es im Idealfall nochmal eine Wendung, und zu dem Motiv (Konfliktthema) kommt noch etwas Neues hinzu (z.B. ein überraschender Telefonanruf oder Brief).

Tipps und Hinweise

*Begegnung der Verdächtigen *(Beziehung untereinander) **

Alle drei Verdächtigen kommen zusammen; wir erfahren etwas über ihre Beziehung zueinander und zu dem Opfer. Sie verdächtigen sich gegenseitig und es kommt zum Konflikt/Streit. Dramaturgisch ist es sinnvoll, sie abgestuft kommen und gehen zu lassen, also ähnlich wie Wachsen und Schrumpfen. Das heißt, zunächst ist Spieler A auf der Bühne, monologisiert gegebenenfalls, dann kommt Spieler B dazu, A und B reden miteinander, dann kommt Spieler C, die drei gehen in Interaktion, dann verlässt einer der drei die Bühne wieder (kann, muss aber nicht A sein), die verbleibenden zwei unterhalten sich. Dann verlassen beide gemeinsam die Bühne oder nur einer und der Verbleibende monologisiert abschließend. Vorteil: Der Fokus ist einfacher zu handhaben, jeder bekommt Raum für sein Spiel, die Szene verdichtet sich zunehmend und löst sich von allein wieder auf.

Gegebenenfalls kann der Kommissar auftauchen, z.B. indem er die Szene heimlich belauscht.
- Zur 4. Runde: Der Publikumsassistent könnte auch ein Pathologe (richtig eigentlich: Gerichtsmediziner) sein.
- Zur 5. Runde: Grundsätzlich sind zwei Möglichkeiten denkbar: 1. Der Täter trifft sich mit dem Opfer und hat von vornherein die Tötungsabsicht. 2. Der Täter kommt trotz des Konflikts in Runde 3. in versöhnlicher Absicht und wird aber dann durch das Geschehen bzw. das Verhalten des Opfer zur Tötung veranlasst/gereizt. Z.B. Konfliktpunkt ist, dass die Ehefrau des Täters diesen verlassen hat, weil sie nun mit dem Opfer zusammen ist. Im Beisein des Täters wird das Opfer von der Ehefrau angerufen. Das ist dann Anlass zur Eskalation der Szene bis zum Mord.
- Der Spieler, der den Kommissar spielt, sollte sich die Namen und wichtige biografische Daten notieren (insbes. auch die Infos aus der 1. Runde). Den Zettel/Block, den er in der Hand hält, kann er gut als Zettel/Block in die Rolle einbauen, auf dem er (vermeintlich) jeweils Gesprächsnotizen aus den Verhören macht.
- Beziehung und Konflikt sollten in der Regel nicht unmittelbar mit Geld (Schulden) zusammenhängen.

Siehe auch: Genre Kriminalfilm