Neue Wahl
Änderungen in Version 16 (von improwiki, 10.10.2015 01:09)
-### Ablauf-*Neue Wahl* (auch *Möp* genannt) ist ein einfaches Spiel, bei dem der Spielleiter oder ein Zuschauer nach irgendeinem Satz eines der Spieler "Möp!" oder auch "neue Wahl" ruft. Daraufhin hat der betreffende Spieler ein neues Angebot zu machen und der "alte" Satz gilt in der weiterlaufenden Szene als nicht gesprochen. Möglich ist auch ein zeitlicher Rücksprung zu einer weiter zurückliegenden szenischen Weichenstellung (also nicht nur der Rücksprung um einen Satz).- +Das Spiel ist für zwei Spieler und einen spielleitenden "Rufer".
- +Die Spieler spielen eine freie Szene, solange bis der "Rufer" sagt:
- +"Neue Wahl". Der Spieler, der zuletzt etwas gesagt hat, muss seinen
- +letzten Satz durch einen neuen Satz ersetzen. Die zuletzt gesagten
- +Worte haben keine Bedeutung mehr und werden als nicht existent behandelt
- +und werden komplett aus dem Gedächnis der Szene gestrichen.
- +Ein kleines Beispiel:
-### Hinweise-- Das Spiel ist ein naheliegendes Korrekturspiel. Typische Improfehler, wie Blockieren, Gagging, Negativsein, Kneifen können so auf unterhaltsame Art korrigiert werden.-- *Neue Wahl* kann auch eine - im Rahmen eines anderen Spiels - aus dem Ruder laufende, gerade misslingende Szene retten (siehe auch Abbrechen): Wenn der Moderator dies bemerkt, sagt er "neue Wahl" und die (um die Rettung dankbaren) Spieler springen zeitlich zurück.- +Hans: Guten Tag, wie geht es Dir?
- +Peter: Ganz gut, ich habe einen neuen Job.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Schlecht, seid drei Tagen Kopfschmerzen.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Ausgezeichnet. Ich habe gleich ein Date.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Mein Hund ist tot.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Gut, ich bin auf den Weg in den Urlaub.
- +Hans: Wohin geht es denn?
- +Peter: Nach Italien.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Nach Alaska.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Nach Schweden.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Ins Schweigekloster.
- +Hans: Oh. Warum das denn?
- +Peter: Weil ich Burn-Out habe.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Weil ich zum Christentum konvertiert bin.
- +usw.
- +
- +Gute Spieler schaffen es die Geschichte voranzutreiben, Anfänger
- +produzieren oft nur Trivialitäten und erfüllen zwar die Regel und
- +wählen eine neue Aktion, eine neue Antwort, bringen aber nicht die
- +Szene voran.
- +
- +Peter wendet in dem Beispiel zwei Strategien an. Zum einen nennt er einfach
- +das Gegenteil des vorher Gesagten (Ganz gut, .../ Schlecht ...), zum anderen wiederholt
- +er einfach den Anfang des ersten Satzes nochmal und ersetzt nur das Ende durch ein
- +neues Wort. Das kann man machen und es ist nichts verwerfliches dabei, allerdings
- +verliert man so die Möglichkeit etwas wirklich Neues und Überraschendes in die Szene
- +einzubringen (Nach Italien / Nach Alaska / Nach Schweden).
- +
- +Oft setzen sich die Spieler dem Druck aus etwas intelligentes oder originelles sagen zu
- +müssen. Das ist aber gar nicht nötig. Die Aufgabe des Rufers ist es auch, die Dinge
- +die wirklich unsinnig auszusortieren und "Neue Wahl" zu rufen, bis etwas erscheint, mit
- +dem man gut arbeiten kann.
- +
- +Das Spiel sieht auf den ersten Blick sehr einfach aus, aber jeder weiß, dass es nach
- +einer bestimmten Anzahl von neuen Wahlen schwierig wird Alternativen anzubieten.
- +Die Aufgabe des Rufers ist es auch, den Spieler an seine Grenzen zu bringen.
- +
- +Das Publikum möchte sehen, dass der Spieler schwitzt und an seine Grenzen gehen muss.
- +Aber das Publikum möchte auch niemanden leiden sehen. Ungeübte Spieler sollten also
- +auch nicht allzusehr geröstet werden, denn die Zuschauer wollen niemanden sehen, der sich
- +auf der Bühne unwohl fühlt.
- +
- +Ein guter "Rufer" weiß daher, wie weit er gehen kann und weit er aber auch gehen sollte.
- +Oft hört man Dialoge wie diesen:
- +
- +Peter: Ich hätte gerne drei Brötchen.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Ich hätte gerne eine Luftpumpe.
- +Rufer: Neue Wahl!
- +Peter: Ich hätte gerne ein Ballkleid.
- +Hans: Welche Größe haben Sie denn?
- +
- +Der Rufer bricht hier viel zu früh ab. Der Spieler hat einfach immer nur das letzte Wort ersetzt
- +und nicht wirklich unterschiedliche Angebote gemacht. Gute Spieler können die ersten Wahlen
- +quasi reflexartig anbieten. So ist zwar die Regel des Spieles erfüllt, aber weder der Spieler hat
- +für sich das Bester herausgeholt (sich selbst zu überraschen), noch hat das Publikum seinen Spass, da
- +das Spiel nur routinemäßig runtergespielt wird. Im obigen Beispiel hätte der "Rufer" noch einige Male
- +mehr unterbrechen können.
- +
- +Die Spieler sollten auch darauf achten, dass sie dem Rufer genug Gelegenheiten zum unterbrechen bieten.
- +Das Schlimmste was passieren kann, ist das die Spieler in eine Unterhaltung verfallen, über sich reden,
- +keine Pausen lassen.
- +
- +Es sollten genug Pausen angeboten werden (diese können sehr kurz sein, aber sie sollten da sein). Wie bei
- +jeder Szene ist es hilfreich dem "Rufer" Aktionen anzubieten. Eine neue Wahl muss sich nicht nur auf
- +gesprochenes Wort beziehen. Der Rufer kann auch bitten eine Aktion auf eine andere Art und Weise auszuführen.
- +
- +Betritt ein Spieler einen Raum und öffnet eine imaginäre Zimmertür durch das herabdrücken einer Klinke, so
- +kann der "Rufer" sagen:
- +
- +R: "Komm anders rein!".
- +Der Spieler öffnet die Tür nun ganz, ganz vorsichtig.
- +R: "Neue Wahl"
- +Der Spieler geht durch eine Schwingtür.
- +R: "Neue Wahl"
- +Der Spieler tritt die Tür mit dem Fuss auf mit gezogener Waffe in der Hand.
- +R: "Neue Wahl"
- +Der Spieler öffnet die Tür mit einer Fernbedienung.
-## Siehe auch-- RollBack