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Status

Version 75 (von improwiki, 11.11.2019 19:34)

Status bezeichnet beim Improvisationstheater das Machtgefälle in der Beziehung zwischen zwei Bühnenfiguren. Eine Figur im Hochstatus verhält sich dominant gegenüber einer Figur im Tiefstatus. Eine Figur im Tiefstatus ordnet sich der Person im Hochstatus unter, passt ihr Handeln an deren Vorgaben an. Der momentane Status der Figuren zueinander ist erkennbar an Körpersprache, Handlungen und Sprechweise der Spieler.

Keith Johnstone versteht (in: "Theater und Improvisation" S. 57ff.) Status als etwas was man tut, unabhängig vom sozialen Status, den man hat. Der soziale Status bezeichnet den Rang in einer Gesellschaftsordnung. Am oberen Ende finden sich weltliche und geistliche Herrscher (König, Priester), am unteren Ende die Abhängigen und Ausgestoßenen. Der gesellschaftliche Rang wird etwa durch Ämter, Titel, Auszeichnungen und Statussymbole demonstriert. Status nach Johnstone ergibt sich dagegen aus dem Verhalten der Figuren in einer konkreten Begegnung. Er betont, dass es keinen neutralen Status gibt, sondern dass sich immer ein Gefälle zeigt. Ein guter Schauspieler sei sich des relativen Status der dargestellten Figuren jederzeit bewusst und könne ihn spielerisch variieren.

In der Regel ist es sinnvoll, Figuren mit deutlichem unterscheidbarem Status zu spielen, da dies das Geschehen belebt und auch die Chance zu Veränderungen bietet. Einige Spiele oder Übungen stellen den Status in den Mittelpunkt, zum Beispiel der Klassische Statuswechel, die Statuskette und das Statusraten.

Statusmerkmale

Bewegung

Status verändern

Wichtig für Spiele wie Klassischer Statuswechsel ist, dass der Status immer relativ zu jemand oder etwas anderem definiert ist. Keith Johnstone verwendet (in: Theater und Improvisation, S. 60f.) das Bild einer Statuswippe, die sich auf zwei Arten bewegen lässt. Entweder drücke ich den Status des anderen ("du stinkst") oder ich erhebe den eigenen ("ich rieche gut"). Beim Kampf um den Tiefstatus senke ich entsprechend meinen eigenen Status ("ich nichtsnutziger Wurm") oder erhebe den anderen ("du strahlender Held"). Johnstone empfiehlt (in: Theater und Improvisation, S. 61), bei jedem Dialogsatz zwischen den beiden Methoden zu wechseln.

Status verändern mit Fürsorge

Status verändern mit Lob/Schmähungen

Status verändern mit Raumanspruch

Status verändern mit Körpergröße

Status verändern mit Nähe

Weitere Hinweise und Anmerkungen

Der Status einer Figur hat nichts damit zu tun, ob sie sympathisch oder unsympathisch ist. Ebenfalls kann der Status unter Umständen genau umgekehrt sein, als es "gesellschaftlich erwartet wird" - das ist beim Publikum meistens besonders beliebt. Zum Beispiel wenn sich ein Angestellter/Schüler (niedriger sozialer Status) dem Chef/Lehrer gegenüber besonders frech oder überlegen verhält (Hochstatus).

Meist ist es so, dass Personen im Hochstatus ein hohes, Personen im Tiefstatus ein niedriges Selbstbewusstsein haben. Die oben beschriebenen Kennzeichen von Hoch- und Tiefstatus beziehen sich überwiegend auf niedriges/hohes Selbstbewusstsein. Eine Person mit niedrigem sozialen Status kann aber durchaus ein normales oder hohes Selbstbewusstsein haben (literarisches Beispiel: Soldat Schwejk) oder umgekehrt.

Beliebter Fehler ist es, den Hochstatus mit Arroganz zu verwechseln. Ein echter Hochstatus hat keine Arroganz nötig. :-) Im Gegenteil, hochgeachtete und mächtige Persönlichkeiten verhalten sich oft besonders höflich, diplomatisch und freundlich. Königin Elisabeth II würde nie laut herumpoltern. Aber wenn sie sagt, sie sei "not amused", gefriert den Menschen in ihrer Umgebung das Blut.

Keith Johnstone beobachtet ( in: Theater und Improvisation, S. 71), dass jeder Mensch einen bestimmten Status bevorzugt. Viele Schauspieler sind entweder Hochstatus- oder Tiefstatusspezialisten. Er beobachtet aber auch ( in: Theater und Improvisation, S. 57), dass viele Schauspieler die Wirkung ihres Spiels falsch einschätzen. Sie meinen sich etwa freundlich zu verhalten, während die anderen sie als feindselig erleben.

Status kann man nicht nur gegenüber Personen spielen, sondern auch zu Dingen oder Räumen. So kann sich etwa der Narr im großen Thronsaal wie zu Hause fühlen (Hochstatus), während sich der König dort unsicher und ängstlich bewegt (Tiefstatus). Ein Kaugummi kann etwa von Paula lässig ausgespuckt werden (Hochstatus) und dann vom unglücklich in sie verliebten Paul ehrfürchtig aufgehoben und in einer Vitrine ausgestellt werden (Tiefstatus).

Die Faustregel "Hochstatus kann man sich nicht nehmen, Hochstatus wird angespielt" betont, dass der relative Status in einer konkreten Begegnung wichtig ist. Wenn sich zwei typische Hochstatusspieler auf der Bühne begegnen, lässt sich zu Beginn der Szene das Statusgefälle zwischen den Figuren am einfachsten etablieren, indem die Tiefstatusfigur sich deutlich erkennbar dem Hochstatus unterordnet.

Durch Übertreibung oder Ironie lässt sich die Wirkung vieler Mittel auch umkehren! Wer sich gegenüber einem anderen aufrichtet, erhöht seinen Status, wer aber auf den Schrank klettert, weil der andere auf dem Tisch steht, macht sich lächerlich und senkt seinen Status.

Links

*Status: Zeichen der Körpersprache für Impro, Theater und Bühne