Tabu
Version 46 (von Klaus, 16.12.2008 09:42)
Bestimmte Spielideen, Vorgaben oder Verhaltensweisen sind unter Umständen problematisch und werden von manchen Spielern oder Gruppen vermieden bzw. als Vorgabe ignoriert, abgelehnt oder "umgebogen".
Themenbezogene Tabus
Kommen etwa bestimmte "schlüpfrige" Vorschläge aus dem Publikum - siehe Unter der Gürtellinie - dann mag die Umsetzung insbesondere für weniger routinierte Spieler schwierig werden, aber auch dann, wenn Kinder im Publikum sind, mag ein "zotiger" Vorschlag in bierseliger Volksfeststimmung wie "Analsex" nicht unbedingt der Kinderseele dienlich sein.
Schwierig können auch Spielideen sein, die möglicherweise Gefühle bestimmter Zuschauergruppen verletzen, etwa "gotteslästerliche" Spielszenen, oder Scherze auf Kosten von Behinderten (siehe auch Tick), Kranken, sexuellen Minderheiten.
Allerdings ist es manchmal so, dass bestimmte Zuschauergruppen viel toleranter und humorvoller in eigenen Angelegenheiten sind, als es (manchmal überfürsorgliche) Außenstehende oft erwarten oder verlangen. So kann es durchaus sein, dass bei einer Veranstaltung von Rollstuhlfahrern "heitere" Szenen über das Rollstuhlfahren und über Probleme Querschnittsgelähmter durchaus toleriert, vielleicht sogar gewünscht sind.
Auch bestimmte Spielideen oder -vorschläge mit politischem oder historischem Hintergrund sind unter Umständen menschenverachtend oder einfach geschmacklos - etwa eine "heitere" Szene im Vernichtungslager oder eine im brennenden World Trade Center. Hier ist entweder die Szene zu vermeiden oder möglicherweise von Profis und erfahrenen Spielern mit sehr viel "Fingerspitzengefühl" doch spielbar (siehe im Film Charly Chaplin: "Der große Diktator" und Ernst Lubitsch "Sein oder Nichtsein").
Dass es bestimmte situationsbezogene Tabus geben kann, versteht sich von selbst. Etwa die Spielidee eines am Kreuz fröhlich singenden Jesus' mag Monty Python-Anhänger begeistern, kommt aber bei einem Kongress bibeltreuer Christen möglicherweise nicht so gut an.
Da es beim Improtheater aber auch ernste Szenen gibt, sind die themenbezogenen Tabus eher auf die Comedy-Schiene bezogen.
Man sollte sich als Gruppe vorher im Klaren sein, welche immerwährenden und situationsbezogenen Tabus es gibt!
Gruppendynamische Tabus
Es kann bestimmten geklärte oder ungeklärte (unausgesprochene/bislang unbekannte) gruppendynamische Tabus geben. Diese Tabus können überraschend plötzlich beim Training oder Auftritt deutlich werden. Musterbeispiel ist das Küssen. Auch Konflikte oder Antipathien können - weil ungeklärt und unausgesprochen - ein Tabu sein. Dieses kann sich während des Spielens ("mit X kann ich nicht gut spielen") aber auch im sonstigen Umgang auswirken.
Persönliche Tabus
Es kann sein, dass man bestimmte Szenen nicht spielen mag oder spielen kann, weil sie zu einer (über-)starken persönlichen Betroffenheit führen (könnten). Etwa ein traumatisches Kindheitsereignis, eine persönlich schwierige Sitution aus ferner oder jüngerer Vergangenheit (z.B. Trauerfall, Mobbing). Neben persönlicher Betroffenenheit können auch bestimmte höchstpersönliche Grundhaltungen und Einstellungen maßgebend sein, die über das hinausgehen, was gruppenbezogen als Tabu klar ist (siehe insoweit die themenbezogenen Tabus). Hier ist zu denken an religöse oder politische Einstellungen. Beispiele: Eine Spielerin, die Mitarbeiterin eines Frauenhauses ist, will nicht in einer Szene mitspielen, in der sie von einem Mann geschlagen wird. Ein Jäger lehnt Szenen ab, in denen die Jagd grundsätzlich als Tierquälerei kritisiert wird.
Akzeptanz der Tabus
Die Frage ist, ob und inwieweit Tabus beachtet, bearbeitet, letzlich vielleicht sogar ignoriert werden müssen oder sollten...
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