Assoziieren und Assoziation gehören zu den Grundbegriffen des Improtheaters und haben damit eine ganz besondere Bedeutung.

Assoziieren bedeutet beim Improvisationstheater, dass bestimmte Begriffe, Handlungen, Gefühle einer Person von einem Spieler bewusst wahrgenommen und aktiv mit anderen Begriffen, Handlungen, Gefühlen verbunden werden, die er daraufhin äußert bzw. darstellt. Diese Verbindung (Assoziation) kann unterschiedliche Qualität haben. So kann man etwa ohne (Be-) Wertung und ohne Nachdenken den ersten auftauchenden Gedanken, das erste auftauchende Gefühl aussprechen/darstellen. Man kann aber auch "kontrolliert", also bewertend assoziieren, dh. von vornherein nur bestimmte Assoziationskategorien zulassen bzw. im Ergebnis ausspielen. Das ist z.B. der Fall, wenn ich darauf achte, dass das assoziierte und dann ausgespielte Gefühl gegensätzlich zu einem bereits vorhandenen ist.

Was der Betreffende jeweils assoziiert, hängt von seinen individuellen Lern- und Lebenserfahrungen ab. Allerdings sind bei vielen Begriffen und Verhaltensweisen die ersten, spontanen Assoziationen gängig bzw. offensichtlich.

Beispiele für Assoziationen

  • Mann -> Frau
  • schwarz -> weiß
  • dick -> dünn
  • Schreien -> Wut

Bei anderen Begriffe oder sonstigen Vorlagen können die Assoziationen vielfältig sein, weil ein gängiges, allgemein verbreitetes „Assoziationsklischee“ nicht vorhanden ist.

Maßgebend für die individuelle assoziative Verknüpfung ist

  • die emotionale Bedeutung und Intensität der erlebten Verknüpfung, Beispiel: ein Parfümduft erinnert an die erste Partnerin.
  • die Häufigkeit der erlebten Verknüpfung, Beispiel: Die Farben schwarz und weiß sind in ihrer Verknüpfung immer wieder Thema in Schrift und Wort.
  • die Ähnlichkeit, Beispiel: Laminat -> Parkett, Stichwort Synonyme
  • der Kontrast, Beispiel: (auch) schwarz/weiß, verbinden/trennen
  • der zeitliche Zusammenhang der erlebten Verknüpfung, Beispiel: Klingeln - Telefon.
  • der räumliche Zusammenhang, Beispiel: Zur Freiheitsstatue assoziiere ich Hochhaus (New York/Manhattan).
  • tagesaktuelle Erlebnisse und Emotionen.
  • der begriffliche Zusammenhang, d.h. gängige Wortzusammensetzungen, Beispiel: schwarz - weiß -> Schwarz-Weiß-Denken
  • das unmittelbar zuvor Gesprochene bzw. Geschehene.

Allerdings hat die freie Assoziation ein großes Zufallsmoment, das sich der Analyse entzieht, aber eben auch das Kreative des Spielens ausmacht. Denn die Verknüpfungen sind eben nicht zwangsläufig, sondern von vielen sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren, auch tagesaktuellen, abhängig. So kann mich der Parfümduft zwar an die erste Partnerin erinnern, aber aktuell nicht Sentimentalität, sondern Mordgedanken hervorrufen, weil ich am Abend vorher einen Krimi gesehen habe und unterbewusst auch noch ein Gefühl der Wut vorhanden ist (weil sie mich damals verlassen hat). Oder die vom Mitspieler genannte Farbe schwarz löst bei mir im Kontext mit einer vorherigen oder der laufenden Szene die Assoziation Bestatter aus.

Die Methode des freien Assoziierens ist auch außerhalb des Improtheaters von Bedeutung: So wird auch im Brainstorming, also beim Ideenfindungsprozessen, in der Marktforschung und natürlich in der Psychiatrie als Diagnoseinstrument das Assoziieren als Methode eingesetzt.

Assoziation spielt in der Psychologie eine wichtige Rolle, vergl. www.sgipt.org/wisms/av/hofst1.htm

last update: 2018-01-19
by Guido Boyke

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